Das Interview - oder - die Kunst es auf den Punkt zu bringen
+ Bei Interviews in elektronischen Medien: Präzise und knappest formulieren, die Aussagen auf die Kernbotschaften und ein Minimum reduzieren. Sie wollen ja Ihre Hauptinformationen über die Rampe bringen, also können Floskeln und Umschreibungen dabei nur hinderlich sein. Je kürzer und prägnanter Sie antworten, desto weniger Möglichkeiten zum Schneiden und Kürzen hat der Journalist.
+ Bedenken Sie, dass im elektronischen Medium überall dort am leichtesten gekürzt und geschnitten werden kann, wo der Sprecher mit der Stimme einen Punkt macht, also in der Tonlage "heruntergeht". Wollen Sie eine Information unbedingt noch unterbringen, dann müssen Sie vor dieser mit der Stimme "oben" bleiben.
+ Sie sollten wissen: Journalisten warten auf einen "Sager". Das sind Sätze, Worte oder Wendungen, die besonders unter die Haut gehen, kontroversiell, pointiert, kritisch oder demaskierend sind. Oft wird ein und dieselbe Frage mehrmals gestellt, nur um zu einem solchen "Sager" zu kommen. Formulieren Sie daher hart, klar und griffig, aber auch überlegt!
+ Besonders bei Interviews mit Print-Journalisten kommt es vor, dass Informationen "off the records" gegeben werden. Das ist durchaus üblich, erfordert allerdings ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen den Gesprächspartnern. Bei allgemeinen Informationen, die in der Regel nicht vertraulich sind - etwa Firmenumsatz, Zahl der Mitarbeiter u.ä. kann man von seinem Medien-Gegenüber nicht Geheimhaltung verlangen.
+ Aufgesetzte Images und eingelernte Verhaltensweisen kommen gerade in Medien schlecht an. Geben Sie sich so, wie Sie sind - und dazu möglichst offen, gesprächs- und informationsbereit. Gleiches gilt auch für Kleidung und optische Aufmachung: sie sollen zu Person, Charakter und Anlass passen. Manager soll Manager, Künstler Künstler und Politiker Politiker bleiben - mit allen persönlichen Eigenschaften.
+ Werden Sie bei unangenehmen oder kritischen Fragen nicht unwirsch, bockig oder informationsunwillig. Selbst wenn der Journalist eine falsche Behauptung in den Raum gestellt hat: Gehen Sie nicht auf Konfrontationskurs, sondern stellen Sie zum Beispiel eine Gegenfrage wie: "Woher haben Sie diese Information?" Also: Zuerst zurückfragen, dann richtig stellen.
+ Kommt eine Frage, auf die Sie wirklich keine Antwort wissen, weil Sie die nötigen Unterlagen und Informationen nicht parat haben, dann ist es besser zu sagen: "Diese Frage kann ich derzeit nicht beantworten", als herumzustottern oder gar etwas falsches zu Antworten. Beim Print-Journalisten kann man sich die Informationen besorgen und eventuell nachschicken, im Radio- und Fernsehinterview muss man sich durch eine ehrliche Antwort mit Überleitung auf ein anders Thema aus der Affäre ziehen.
+ Bei der Journalisten-Anfrage per Telefon kann man sich ruhig eine Bedenkzeit von z.B. einer Stunde erbitten um danach das Gespräch mit dem Interviewer zu führen. |